Am letzten Oktobersonntag war es wieder einmal soweit. Start frei für den Röntgenlauf. Viele wissen, daß Wilhelm Conrad Röntgen der berühmte Erfinder der Röntgenstrahlen bzw. X-Rays, wie er sie uneitel der Allgemeinheit
zur Verfügung stellte, ist und viele wissen auch, daß er der erste Nobelpreisträger für Physik war. Was nicht so viele wissen, ist, daß Röntgen aus Remscheid stammt.
Die Stadt Remscheid im Bergischen Land ehrt Röntgen u.a. durch den Röntgenweg einen Rundweg um das Stadtgebiet. Alljährlich findet hier auf dem Röntgenweg einer der bekanntesten Ultraläufe Deutschlands statt. Diesmal in der 9. Auflage fand der 63,3
km Lauf auf der schwierigen, bergigen Strecke statt.
Neben dem kompletten Lauf gibt es auch einen Halbmarathon, einen Marathon und als besonderes Teamevent einen Staffellauf, bei dem jeder Läufer einen Halbmarathon läuft.
Die Roadrunner vom T.H. Eilbeck haben eine Lauffreundschaft mit dem Remscheidern und nehmen immer wieder gerne an der Staffel teil, wie auch in diesem Jahr
wieder mit Uwe C, Ingo und mir.
In diesem Jahr lief ich den ersten Streckenabschnitt, der mich doch mehr forderte als mir lieb war. Daß es kein einfacher Lauf würde, war mir ebenso klar, wie die Tatsache, daß sich meine Form
seit dem Berlin-Marathon nur leicht verbessert hatte.
Doch bereits der Start, bei dem es direkt nach 100 Metern in den ersten steilen Anstieg ging, erwies sich als fies. Hier war ich noch überzeugt, vernünftig zu laufen, denn ich ließ mich von den
anderen nicht mitreißen, sondern lief das was ich als mein Tempo erachtete, den Anstieg hinauf. Noch deutlich vor dem Ende des Anstiegs registrierte ich jedoch, daß mich das Tempo doch mehr
anstrengt als mir lieb war. Glücklicherweise kam jetzt ein Bergabstück hinab in die Altstadt von Lennep. Mein Körper feierte dieses Teilstück
mit einem ziehenden Schmerz in der rechten Brusthälfte und einem Einschlafen des rechten Vorderfußes. Von daher freute ich mich fast, als es am Ende der Runde durch die Altstadt wieder bergauf
ging. Doch natürlich schmerzte mich auch der Anstieg. Es war ein frustrierendes Erlebnis, mich bereits nach so wenigen km so stark quälen zu müssen.
Zum Glück bekam ich ab hier Fahrradbegleitung von unserem Remscheider Lauffreund Dirk, der mich etwas aufmunterte und mir erst einmal neue Kraft spendete, so daß ich insbesondere beim nächsten
Bergabstieg stark auf- und überholte. Die ortskundige Begleitung durch Dirk erwies sich als unschätzbarer Vorteil, da er mich (entlang vieler Abkürzungen führte) immer wieder vor den nächsten
Anstiegen warnte, so daß ich nicht mit Vollgas in diese hineinlief.
Mein Körper spiegelte den Verlauf des Laufs zwar wieder, indem er ein dauerhaftes Wellental aus Auf und Ab erlebte, verlief aber keineswegs kongruent zu der topologischen Ausgestaltung der
Strecke, so daß ich meine Aufs mal bergauf und mal bergab erlebte und meine Abs ebenso unsystematisch. Am Ende des langen Abstiegs zwischen km 10 und 15 kam ein relativ harmloser Aufstieg, in
dessen Verlauf bei km 16 eine Verpflegungsstation kam. Der Läufer vor mir schaffte es tatsächlich, vier Becher aus den Händen der Helfer auf den Boden zu schlagen. Noch witziger wurde die Szene
dadurch, dass ich hinter mir eine Helferin hörte, die jemand die Anweisung gab, ihm hinterherzulaufen. Ich winkte nur ab. Dummheit gehört bestraft. Glücklicherweise hatte ich kein Bedürfnis zu
trinken.
Mein persönliches Desaster begann, kurz nachdem Dirk mir den letzten und zugleich sehr üblen Anstieg ankündigte. Bereits im Anlaufen wurde mir klar, daß ich gerade wieder ein Tal durchlebte, bis
mir klar wurde, daß ich gerade massive Seitenstechen hatte. Ich tat das, was man bei Seitenstechen tut und nahm Tempo raus und konzentrierte mich auf eine ruhige und tiefe Atmung. Der Zeitpunkt
war natürlich denkbar schlecht und zwang mich einen großen Teil des Anstiegs hochzugehen. Diese Demütigung konnte ich auf dem folgenden Bergabstück nicht wirklich bessern. Ich fühlte mich einfach
nur platt, und wollte nur noch ins Ziel kommen. Dieses Bergabstück hatte eine so steile Passage, daß ich und die zwei Läufer vor mir uns bewußt bremsen mußten, um noch kontrolliert laufen zu
können.
Es fiel mir schwer wie selten, das Tempo halbwegs hochzuhalten und nicht vollkommen rauzunehmen. Irgendwie kam dann auch wieder eines meiner Aufs, so daß ich gegen einen Halbmarathonläufer noch
einen Endspurt laufen konnte, aber es gab keine größere Erleichterung, als im Ziel anzukommen, wo mir Ingo den Zeitchip vom Fuß abnahm und sich auf den Weg zum 2. Streckenabschnitt machte.
Deswegen sage ich nun: Ingo bitte übernehmen…
Ostern in Osterby
